Lebensphasen statt Altersgrenzen: Unsere Keynote mit Gerda-Marie Adenau in der Schüco Arena Bielefeld

Wie gelingt Zusammenarbeit zwischen Generationen, wenn zwischen der ältesten und der jüngsten Kollegin fünfzig Jahre liegen können? Genau darum ging es am 8. September 2026 in der Schüco Arena Bielefeld. Wir waren mit einer gemeinsamen Keynote von Gerda-Marie Adenau und unserem Founders' Associate Tom Herzberg dabei.
Die Initiative für Vielfalt im Bündnis Ostwestfalen und DAS KOMMT AUS BIELEFELD hatten zur zweiten Ausgabe der Reihe "Vielfältige Teams. Starke Leistung." eingeladen. Titel der diesjährigen Auflage: "Zu jung! Zu alt! Gemeinsam unschlagbar?" Über 100 Führungskräfte, HR-Verantwortliche und Vertreterinnen aus Wissenschaft und Wirtschaft kamen zusammen, um über Altersbilder, Generationenvielfalt und die Frage zu diskutieren, wie Teams mit großer Altersspanne gemeinsam Leistung entfalten.
Für Digital8 war unser Founders' Associate Tom Herzberg in doppelter Rolle vor Ort. Gemeinsam mit Gerda-Marie Adenau eröffnete er das Programm mit einer Keynote und diskutierte anschließend auf dem Panel.
Zwei Generationen, eine Bühne: Warum die Konstellation der Keynote bereits die Botschaft war
Das Format der Keynote war Programm. Gerda-Marie Adenau bringt über 40 Jahre Berufserfahrung mit, davon 25 Jahre im Siemens-Konzern in Führungs- und Entwicklungsrollen. Als Mitgründerin der Initiative "Lebensphase 50plus" bei Siemens gilt sie als Pionierin für Altersdiversität in deutschen Unternehmen. Tom Herzberg wiederum vertritt die Generation Z, hat in fünf Ländern gelebt und leitet das Founders' Office bei Digital8, Europas führendem Digital Native Netzwerk.
Ihr gemeinsamer Titel lautete: "Lebensphasen statt Altersgrenzen. Wie generationenübergreifende Zusammenarbeit Unternehmen stärkt". Schon die Konstellation auf der Bühne machte klar, worum es an diesem Nachmittag ging. Nicht "jung gegen alt", sondern zwei Perspektiven im Dialog. Zwei Menschen, die vorleben, worüber sie sprechen.
Wer ist "die Gen Z" eigentlich, und was hat sie mit Baby Boomern gemeinsam?
Ein zentrales Missverständnis räumten Gerda-Marie und Tom früh ab. Auf die Frage nach den wichtigsten persönlichen Werten antworten Baby Boomer und Generation Z laut der Studie "Jugend in Deutschland" fast identisch, nämlich mit Familie, Gesundheit und Freiheit. Die vermeintlich unüberbrückbaren Unterschiede zwischen den Generationen halten einer empirischen Überprüfung häufig nicht stand.
Trotzdem prägen Zuschreibungen den Arbeitsalltag. Jüngeren wird Wunsch nach Flexibilität, Sinnorientierung und offener Feedbackkultur zugeschrieben, Älteren Loyalität, Struktur und Veränderungsresistenz. Beide Bilder sind Verkürzungen. Beide begegnen einem täglich in Fachbereichen, HR-Gesprächen und Führungskreisen.

Drei Hebel für generationenübergreifende Zusammenarbeit
Der Kern der Keynote waren drei konkrete Ansätze, mit denen Unternehmen die Zusammenarbeit über Altersgrenzen hinweg gezielt stärken können.
#1 Feedback einholen. Wer nicht fragt, hört nichts. Systematisches Feedback zwischen Generationen legt Zuschreibungen offen und macht Erwartungen verhandelbar.
#2 Frischzellentherapie. Erfahrene Führungskräfte profitieren nachweislich vom regelmäßigen Kontakt mit jungen Talenten, sei es durch Reverse Mentoring, Co-Creation-Formate oder gemeinsame KI-Workshops.
#3 Handlungsspielräume erweitern. Junge Perspektiven brauchen echte Entscheidungsräume. Formate wie Gen-Z Shadow Boards, in denen jüngere Talente strategische Fragen des Managements spiegeln, haben bei Konzernen wie Gucci nachweislich zweistelliges Umsatzwachstum flankiert.
Gerda-Marie ergänzte diese Hebel aus ihrer Perspektive. Berufliche Entwicklung endet nicht mit dem 50. Geburtstag. Wer erfahrene Beschäftigte in Weiterbildung und Verantwortung einbindet, gewinnt Wissen, Krisenerprobtheit und Loyalität. Ihre Kernbotschaft: "Nicht nur fragen, wie man Menschen zum Lernen motivieren kann, sondern auch diejenigen fördern, die lernen wollen."
Die Panel-Diskussion: "Zu jung! Zu alt! Gemeinsam unschlagbar?"
Nach der Keynote ging es direkt in die Panel-Diskussion, moderiert von Anke Hoffmann (HR-Managerin Personal- und Organisationsentwicklung sowie Diversity, Equity & Inclusion, Schüco International) und Sina Bewer (HR-Referentin Talentmanagement & Training, Goldbeck). Auf dem Podium diskutierten fünf Perspektiven:
Gerda-Marie Adenau, Keynote-Speakerin und Age Diversity Expert
Dr. Dominik Bentler, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft der Universität Bielefeld sowie freiberuflicher Sportpsychologe bei Arminia Bielefeld
Tom Herzberg, Founders' Associate bei Digital8
Farid Rahmani, Direktor Unternehmensentwicklung bei Arminia Bielefeld
Christina Späth, HR Managerin Young Talents bei Schüco International
Dr. Dominik Bentler lieferte den psychologischen Rahmen. Unser Gehirn arbeite mit Kategorien, weil seine Kapazitäten begrenzt sind. Alter sei ein besonders sichtbares Merkmal, entsprechend hartnäckig hielten sich Generationenschubladen. Christina Späth erzählte aus dem Schüco-Alltag, wie sich Klischees über Auszubildende und Dual Studierende regelmäßig als falsch erweisen, sobald man ins Gespräch kommt. Farid Rahmani schlug die Brücke zum Sport. In der Arminia-Profimannschaft steht der 17-jährige Till Wegener neben deutlich älteren Spielern auf dem Platz, im Unternehmen treffen Kolleginnen mit 35 Jahren Berufserfahrung auf Auszubildende. Was auf dem Rasen intuitiv funktioniert, brauche im Unternehmen bewusste Strukturen.

KI-Kompetenz ist keine Frage des Alters
Ein Themenblock, den Tom Herzberg besonders prägte, war der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Seine These im O-Ton: "Die Gen Z ist die erste Generation, die nicht in eine digitale Welt hineingewachsen ist, sondern keine andere kennt." Digitale Herkunft sei aber kein automatischer Kompetenz-Nachweis. Wer früh lerne, KI sinnvoll einzusetzen, verschaffe sich einen Wettbewerbsvorteil, unabhängig vom Geburtsjahr.
Gleichzeitig warnte Tom vor einer verkürzten Vorstellung von KI als Ersatz für erfahrene Beschäftigte. "KI schließt die Lücke der Babyboomer nicht", betonte er. Je häufiger KI zum Einsatz komme, desto wichtiger würden fachliches Kontextwissen und die richtigen Fragen. Auch hier sei das Zusammenspiel der Generationen entscheidend. Die Jüngeren bringen Selbstverständlichkeit im Umgang mit den Tools, die Erfahreneren bringen das Wissen, worüber diese Tools nachdenken sollen.
Christina Späth beschrieb, wie Schüco genau dieses Zusammenspiel intern aufbaut. Auszubildende und Dual Studierende werden zu KI-Multiplikatoren, teilen Prompts und schulen erfahrene Kolleginnen und Kollegen. So entsteht eine unternehmensinterne KI-Community, in der Wissen gemeinsam wächst.
Transformation trifft alle Altersgruppen
Zum Ende der Diskussion verschob sich der Fokus auf Transformation. Gerda-Marie Adenau beschrieb einen entscheidenden Unterschied zu früheren Wandel-Prozessen. "Früher hat es meist ein Zielbild gegeben. Bei der digitalen Transformation gibt es keine Vision, beziehungsweise für uns als Mitarbeitende ist diese nur schwer greifbar. Kaum habe ich eine Entwicklung verstanden, folgt bereits die nächste."
Tom Herzberg ergänzte, dass sich die Halbwertszeit von Megatrends drastisch verkürzt habe. Die Herausforderung treffe deshalb nicht eine bestimmte Altersgruppe, sondern die gesamte Arbeitswelt. Umso wichtiger werde der strukturierte Austausch zwischen den Generationen. Wenn in den kommenden Jahren viele erfahrene Beschäftigte in den Ruhestand gehen, dürfe mit ihnen nicht auch ihr Wissen verloren gehen.
Fazit: Miteinander statt übereinander reden
Was aus dem Nachmittag in Bielefeld mitgenommen werden kann, lässt sich in einem Satz zusammenfassen, der bei Digital8 Programm ist: Miteinander statt übereinander reden. Generationenvielfalt entfaltet ihre Kraft nicht durch Toleranz auf dem Papier, sondern durch strukturierten Austausch, gemeinsame Formate und ehrliches Feedback.
Ein herzlicher Dank geht an das gesamte Organisationsteam von DAS KOMMT AUS BIELEFELD, der Initiative für Vielfalt im Bündnis Ostwestfalen, Schüco International, Goldbeck und Arminia Bielefeld für einen Nachmittag, der zeigte, was möglich ist, wenn Generationen sich nicht abgrenzen, sondern zusammen an einem Tisch sitzen.
Neugierig geworden oder beschäftigt euch genau diese Frage gerade in eurem Unternehmen? Dann bringt die Generationen miteinander ins Gespräch: Entdeckt das Reverse Mentoring und die Generationendialoge von Digital8 und findet heraus, welches Format zu euch passt. Jetzt mehr erfahren und den Austausch starten.



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